Ein Theater im Herzen der Stadt

Richard von Weizsäcker hat mal gesagt, dass es grotesk sei, bei Kulturförderung von Subventionen zu sprechen. „Denn Kultur ist kein Luxus, den wir uns entweder leisten oder nach Belieben auch streichen können, sondern der geistige Boden, der unsere innere Überlebensfähigkeit sichert.” Um die Attraktivität von Landshut zu erhalten, brauchen wir das Stadttheater zurück in den Bernlochner.

Darüber waren wir uns einig bei der Podiumsdiskussion „Drama ums Theater“ am 18. Februar in der Galerie Kunstwerk. Auf Einladung der Grünen Landshut diskutierten die Schauspieler*innen Katharina Kram und Jochen Decker, der Vorsitzende und die stv. Vorsitzende der Theaterfreunde Landshut e.V., Prof. Dr. Dominik Godde und Ursula Weger, sowie Christian Muggenthaler, Autor und Dramaturg.

Seit vor sechs Jahren die Spielstätte im Bernlochner-Komplex geräumt wurde, finden die  Aufführungen im Theaterzelt auf dem Messegelände statt. Das ist kein Zustand! Die Schauspielerin Katharina Kram dazu: „Im Theaterzelt hört man ständig was von draußen, also Motoren, Autohupen und alles andere. Wenn ich auf der Bühne sterben soll und dann der Flieger übers Zelt fliegt, ist das einfach anstrengend.“

Rund 20.000 Kinder und Jugendliche besuchen jedes Jahr die Aufführungen des Landestheaters, auch ich war als Schülerin das erste Mal im Theater – und war fasziniert. Für Ursula Weger, stv. Vorsitzender der Theaterfreunde Landshut ist klar: „Wenn Schüler*innen ein Drama nicht nur lesen, sondern auch auf einer Bühne erleben können, bekommen sie einen ganz anderen Zugang zum Stück.“ Das Theater als Erlebnis – für alle Generationen – muss in Landshut eine Zukunft haben! 

Aber auch über das kulturelle Erlebnis hinaus ist die Bedeutung des Theaters für die Stadt enorm, stellte Dominik Godde, Vorsitzender der Theaterfreunde Landshut, dar: „Wenn die Stadt Einnahmen will, braucht sie Unternehmen, die Menschen nach Landshut zieht. Um um die Stadt für Menschen attraktiv zu machen, braucht die Stadt ein Theater.“

Der Theaterneubau hat aber über Landshut hinaus Auswirkungen: Mit dem Neubau steht und fällt auch die Zukunft des Landestheaters Niederbayern, die Standorte Straubing und Passau können sich alleine nicht halten. Der Schauspieler Jochen Decker bemängelt: „Während in Passau nach dem Hochwasser 2013 das Theater bis zur Bühnenkante voller Schlamm stand, wurde es innerhalb von eineinhalb Jahren saniert und wieder bereit für den Spielbetrieb gemacht, in Landshut musste man selbst um kleine Investitionen wie eine Wärmeschutztür für den Eingangsbereich kämpfen.“

Seit im Dezember die Stadt bei der Finanzierung des Theaters auf die Bremse getreten ist, sind keine neuen Lösungsansätze ernsthaft geprüft worden – ob öffentlich-private-Partnerschaft, eine mögliche  Beteiligung durch den Bezirk oder der Weg über eine Neuverschuldung.  Gespräche zwischen Stadtspitze, Regierung von Niederbayern, dem Bezirk fanden seither nicht statt.

Die Finanzierung muss aber bis zum Sommer geklärt sein, sonst ist eine planmäßige Fertigstellung und Inbetriebnahme des Stadttheaters Landshut schlichtweg unmöglich. Und noch länger warten möchte ich weder den Schauspieler*innen noch den Landshuterinnen und Landshutern zumuten.

  • Blick von der Bühne in den Zuschauerraum

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